Aus Barcelona berichtet Matthias Kremp
Als Microsoft-Chef Steve Ballmer die Bühne im überfüllten Conference Garden Room im Barceloner Plaza-Hotel betrat, wussten die meisten Zuschauer schon Bescheid. Smartphones sei Dank hatten viele der Anwesenden Journalisten die Nachricht längst gelesen, die er selbst da nun laut stampfend verkündete: Microsoft bringt kein eigenes Handy, sondern will vielen anderen Mobiltelefonen einen unübersehbaren Stempel aufdrücken, und zwar mit dem Handy-Betriebssystem "Windows Phone 7 Series". Die Pressestelle des Unternehmens hatte die entsprechende Pressemeldung bereits eine Minute vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung verschickt - mäßiges Timing.
Der wichtigste Unterschied zu all den Windows-Mobile-Vorgängern: Das neue Handy-Windows soll nicht mehr primär auf Business-Anwender ausgelegt sein. Stattdessen hat sich Microsoft vorgenommen, künftig stärker Privatanwender anzusprechen. Vor allem deshalb habe man sich bemüht, die Bedienung einfacher und intuitiver zu gestalten, sagt Ballmer. Spiele, Musik, Filme und soziale Netzwerke sind besser in das Betriebssystem integriert, die Benutzeroberfläche ist fast identisch mit der des MP3-Players Zune.
Suche den weißen Punkt
Auffälligstes Merkmal des neuen Mobil-Windows: Ohne Touchscreen geht offenbar gar nichts. Originellerweise leuchtet dort, wo man mit dem Finger den Bildschirm berührt, immer eine weiße Markierung auf. Möglicherweise soll das eine Orientierungshilfe sein, wirklich klar wurde der Sinn des weißen Punktes nicht, außer, dass er sich auf der Präsentation gut machte.
Im Mittelpunkt der Software mit dem unübersehbar Microsoft-typischen Endlosnamen steht ein überarbeiteter Startbildschirm. Der wird jetzt nicht mehr von einer Listendarstellung verschiedener Programme und Funktionen beherrscht, sondern ist in Kacheln, die sogenannten Hubs oder Themenbereiche, unterteilt.
Insgesamt gibt es sechs Hubs, von denen der Hub People (Personen) von Microsoft als wichtigster eingestuft wird:
Die übrigen Hubs im Überblick:
Bing auf Knopfdruck
Neben diesen Hubs hat Microsoft, ähnlich wie Google es bei Android mit seiner Suchmaschine getan hat, seine Suchmaschine Bing mit dem Betriebssystem vermählt. Und nicht nur das: Eine dedizierte Bing-Taste soll den Aufruf der Suchfunktion erleichtern. So soll sich von fast jeder Anwendung aus eine Web-Suche initiieren lassen - ein klares Zeichen für den Stellenwert, den das Suchportal für Microsoft mittlerweile hat.
Der Integration dieser Taste in das Betriebssystem zeigt allerdings auch, dass Microsoft seinen Kunden künftig wesentlich strikter als bisher vorgibt, was ihre Hardware können muss, welche Minimalanforderungen erfüllt werden müssen. Dazu gehört vor allem ein kapazitiver Touchscreen, genauere Angaben dazu machte Steve Ballmer aber nicht.
"Bei den Fähigkeiten von Smartphones wird es mehr Konsistenz geben als bisher", sagte Ballmer. Die wichtigsten Bausteine kommen denn auch von Chip-Hersteller Qualcomm. Offenbar müssen Handy-Produzenten viele Bauteile ihrer künftigen Handys von vorgegebenen Herstellern beziehen, wenn darauf Microsofts neues Betriebssystem laufen soll.
Wann kommen die Zune-Phones?
Befürchtungen, diese engen Fesseln könnten die Bandbreite neuer Handys einschränken, wischen Ballmer und seine Angestellten mit immer denselben Sprüchen beiseite: Man verlasse sich da ganz auf die Kreativität der Partnerfirmen, die es sicher fertigbrächten, trotz der strengen Vorgaben deutlich voneinander unterscheidbare Geräte zu bauen.
Bis man solche Handys kaufen kann, wird es aber noch ein Weile dauern. Das Prototyp-Handy etwa, mit dem Microsoft-Manager Belfiore das neue System vorführte, ist ein dicker Klopper, den man nicht allzu gern mit sich herumschleppen möchte. Und auch an der Software muss wohl noch kräftig gearbeitet werden. So wurde zwar der Microsoft-Mobil-Browser mit Tabs und besserer Schriftdarstellung verbessert - wie so vielen Smartphones fehlt aber auch ihm Adobes Flash.
Ob sich das ändert, bevor die ersten Handys mit Windows Phone 7 Series auf den Markt kommen, ließ Ballmer offen, verkündete aber mit Donnerstimme: "Wir haben keine Einwände dagegen, Flash auf Windows Phone 7 zu portieren". Zeit genug hätten Microsofts Programmierer noch. Erst zum Weihnachtsgeschäft 2010 sollen die Telefone in den Läden stehen, kündigte der Microsoft-Chef an. Reichlich Zeit also für Google, Apple, Nokia und Co., sich mit eigenen Entwicklungen gegen die neuen Windows-Smartphones zu rüsten, die eigentlich Zunes mit Telefonfunktion sind.
Ahh, ist es etwa kein Ideenklau mehr, wenn man schlicht Mitarbeiter von XEROX PARC direkt in die eigene Firma übernimmt? Nachzulesen z.B. auch hier: http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_graphical_user_interface mehr...
Auf meinem "Vorahmer-Slate" (Tablet-PC viliv X70) läuft Windows 7 - und das prima. Auch wenn ich mir ein etwas flacheres Design mit größerer Diagonale wünschen würde - aber das ist nur die Hardware-Seite. mehr...
Sie sollten diese Geschichte vielleicht wirklich noch einmal herauskramen, um sie zu verstehen. Zweifellos hat das PARC Pionierarbeit geleistet. Von Ideenklau von Seiten Apples kann aber keine Rede sein. Und nun: Let the [...] mehr...
>Seitdem Apple wieder verstärkt auf DRM setzt noch weniger. Das tut nicht Apple, sondern die Buchindustrie. mehr...
Ist aber auch ein Gesamtkonzept. Hardware und Firmware von einem Hersteller. MS baut keine eigenen Mobile-Phones. MS-Windows-Mobile ist ein Zulieferprodukt. Für ein solches ist es recht eingeschränkt. mehr...
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